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False Mirrors 29. Oktober - 6. Dezember 2008 |
"Für einige, sage ich, waren Spiegel die Hieroglyphe der Wahrheit, weil sie alles enthüllen können, was sich ihnen zeigt, so wie es der Wahrheit Brauch ist, die nicht verborgen bleiben kann. Andere dagegen halten Spiegel für Symbole der Falschheit, weil sie Dinge oft anders zeigen, als sie sind." (Raphael Mirami, Ferrara, 1582)
Spiegel geben die Welt getreu wieder oder sie verzerren sie bis zur Unkenntlichkeit. Dasselbe gilt für ein Foto und für alle anderen Bilder und Abbilder, denen wir ein indexikales Verhältnis zu ihrem Referenten unterstellen. Bilder, die quasi von selbst entstanden, standen früher den von Menschenhand geschaffenen Bildwerken gegenüber. Diese sollten entweder suggerieren, Abbilder der äußeren Welt zu sein oder sie verwiesen auf innere Bilder, auf die Phantasie der Künstler. Die Ausstellung „Falsche Spiegel“ zeigt Bilder und Objekte, bei denen solche traditionellen Unterscheidungen nicht mehr greifen oder sogar absichtlich unterlaufen werden. Verzerrungen der Koordinaten, Verschiebungen oder Unschärfen, wie einst durch anamorphotische Zerrspiegel hervorgerufen wurden, lassen das Sichtbare wie Einblicke in Universen mit eigenen Gesetzen erscheinen. Die „falschen Spiegel“ heutiger Künstler/innen können aus simplen Materialien zusammengebastelt, aber auch vollständig am Computer generiert sein. Worauf sich die ausgestellten Werke beziehen, bleibt bei allen Unterschieden der Machart gleichermaßen uneindeutig. Worum es sich bei dem Gezeigten handelt, steht ebenso in Frage wie seine Referenz. Fotos erscheinen wie Skulpturen und Skulpturen scheinen Maßstäben und Koordinaten zu folgen, die wie in eine zweite – falsche? – Ebene in den – wahren? – realen Raum hineinprojiziert worden sind. |
„I say for some, mirrors constitute a hieroglyph of truth in that they uncover everything what is presented to them, like the habit of truth which cannot remain hidden. Others, on the contrary, hold mirrors for a symbol of falsity because they so often show things other than they are.“ (Raphael Mirami, Ferrara, 1582)
Mirrors reflect the accurate world or distort it to the realm of the unrecognizable. The same applies to a picture, and for all other copies and effigies, in which we assume an indexical relation to their reference. These types of images that, so to speak, emerged on their own, in earlier days, were to be considered in a context along with images created by humans. These, on one hand, suggested images of the exterior; or on the other, they referred to an inner world, the fantasy of the artist. The exhibition False Mirrors shows pictures and objects in which such traditional differentiations no longer interlock, or are purposely undermined. Distortion of the coordinate, deferrals or fuzz, as it was once evoked through anamorphotic funhouse mirrors, allow the visible to appear, much like insights into a universe with its own rules. The "false mirrors" of contemporary artists can be crafted together from simple materials, but can also be generated completely at the computer. Yet to what the exhibited works relate, all by differentiation of materials, remains equally undetermined. The statement posited by the displayed works remains to be questioned in the same way as its reference. Photos appear like sculptures, and sculptures seem to follow standards and coordinates that are projected as in a second – incorrect? – level into a – true? – real space. |
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| Ludwig Seyfarth | |||
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